Sonntag, 18. Februar 2007

noch alles klarmachen

„Auch wird man einsehen, dass Dummköpfen und Narren gegenüber es nur einen Weg gibt, seinen Verstand an den Tag zu legen, und der ist, dass man mit ihnen nicht redet.“ [Arthur Schopenhauer: Aphorismen]

Es ist ja nichts wirklich Neues, dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr gänzlich überbewertet wird. Insbesondere gilt dies offensichtlich für den nicht stattgefunden habenden. Ich möchte dies heute aber dennoch kurz ansprechen; nicht nur für Bruce Lee, aber sicherlich hat auch nicht alles, was ich ihm gestern an höchst hilfreichen und überaus lebensklugen Ratschlägen gegeben habe, seinen komatösen Zusammenbruch überlebt. Vielleicht ist es am Ende aber sogar so gewesen, dass nicht alle meine Argumente, womöglich alkoholbedingt, so ganz und gar blitzsauber und wohlsortiert waren.

Jener Bruce Lee jedenfalls war so gegen Mitternacht sehr entmutigt und durch zahlreiche Biere wohl auch etwas ermattet an der Theke an meine Schulter gesunken und hatte mir ins fast taube Ohr gebrüllt, er sei Charly und diese Session sei „einfach fürn Arsch“. Nun bin ich im Allgemeinen ein eher wortkarger Mensch der – mit gewisser Menschenscheue ausgestattet – versucht, obiges Schopenhauer-Zitat jedenfalls dann ernst zu nehmen, wenn ich auf mir völlig unbekannte Menschen treffe, die offensichtlichen Unsinn reden. Andererseits ist es im Rheinland nicht nur in diesen Zeiten durchaus üblich, ungefragt Lebenshilfe zu geben oder was man dafür hält. Ich schaue Charly also verwundert an und frage, wo sein Problem denn nun im Detail auszumachen sei.

Diese Session sei „ganz und gar fürn Arsch“ wiederholt er den Satz und um seine Verbitterung zu unterstreichen schlägt er bei jedem Wort mit beiden Fäusten auf die Theke. Dies fällt freilich in keiner Weise auf, weil aus den Boxen in voller Lautstärke „Viva Colonia“ wummert. Nun schien das Bier dem wackeren Asienkämpfer den Rest zu geben, er drohte jedenfalls wegzusinken und warf auf der Suche nach Halt noch allerlei Gläser und Narren um. Als ich gerade jedes Interesse zu verlieren drohe, greift er das Gespräch wieder auf: Er habe, artikuliert er mühsam und schwer lallend, „noch keine einzige flachgelegt“. „Keine Einzige flachgelegt“ brüllt er trotzig gegen die Karnevalslieder an und dreht sich dabei im Halbkreis zu einem imaginären Publikum. Und es sei doch „schon Samstag Nacht“, mithin – jetzt versucht er an seinen Fingern etwas abzuzählen – ergo „quasi Halbzeit durch“.

Nun war es an mir, ihm Mut zuzusprechen, denn er hatte sich mit diesem Geständnis offensichtlich sehr verausgabt, das er noch ein paar Mal leiser wiederholte, fast flüsterte. Der Abend sei doch noch jung, versuche ich ihn zu trösten, auch wenn sein Zustand offensichtlicher Vorbote künftiger Erfolglosigkeit zu werden drohte. Er könne, verspreche ich und proste ihm zu, doch noch „alles klarmachen“ und dann würde er über die Session sicher anders urteilen.

Ich gestehe, dass ich dieses „alles klarmachen“ aus [E. Henscheid: Die Vollidioten] entlehnt habe, weil es mir die Zielgruppenspezifischste Ausdrucksweise erschien. Offensichtlich hatte mein Gegenüber den Kern meiner (bzw. Henscheids) Botschaft verstanden – und ich möchte Herrn Henscheid an dieser Stelle ausdrücklich wie nachhaltig für vollbrachte Lebenshilfe danken – denn Charly versucht mich nun mehrfach zu umarmen und betont dabei unentwegt, ich sei „ein guter Mensch“. Diese Nachricht schien ihm dermaßen bedeutsam, dass er mehreren Umstehenden dies ausführlich zu erklären suchte und bei der Bedienung „dafür eine Lokalrunde“ orderte (was wir umstehenden Gutmenschen dann freilich stornierten).

„Dabei habe die eine Kuh“ fiel er in einem plötzlichen Stimmungsumschwung wehmütig wieder in eine Reprise, am „Donnerstag so zu ihm hingelächelt“, da hatte er noch gedacht er könne schon am ersten Tag „alles klarmachen“ benutzte er nun sogar meine (bzw. Henscheids) Worte und sie „gleich flachlegen“. Aber dann hätte er sich nicht hingetraut und nun sei „alles fürn Arsch“. Offensichtlich war damit die Anzahl der ihm zur Verfügung stehenden Worte erreicht, ich gab ihm noch ein Bier aus, das ihm für die nächsten Stunden auch genügen sollte. Er schlummerte friedlich in der Ecke nur wenn sich die Kneipentüre öffnete, hob er kurz den Kopf und sagte laut er werde schon „noch alles klarmachen“.

Irgendwann hatten wir Erwin dann endlich überredet, dass er Charly mit seinem Taxi nach Hause fährt. Der hatte lange nüchtern und wortreich Widerstand geleistet und um seine Schonbezüge gefürchtet. Da war die Ecke aber schon verlassen und so muss völlig offen bleiben, ob Charly es gestern gepackt haben sollte und „noch alles klargemacht“ hat.

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