Ihr versinkt im alten Schlunde

Vor 534 Jahren wurde in Amsterdam unter Androhung von Strafe verboten, Schneebälle zu werfen. Gut dass die globale Erwärmung heute für immerhin 14,3 Grad sorgt und wir nicht mehr in der Gutenberg-Galaxis umherwohnen, deren Erfinder vor 26 Jahren verstorben ist. Marshall McLuhan, einer der bekannteren Theoretiker der Medien wird ja noch heute gerne zitiert mit seiner Aussage über die Wahrnehmung und Wirkungsweisen von Medien: „The Medium is the message“. Das ist schon allein deshalb interessant, weil er lediglich die Anfänge des kommerziellen Fernsehens erlebt hatte und gar kein Internet kannte. Das Anliegen Marshall McLuhans, den Menschen durch Aufklärung ein richtiges Bewusstsein für die Medien und die damit seiner Meinung nach verbundene Freiheit zu geben, ist zumindest beim globalen Fernsehdorf gründlich daneben gegangen.

Andererseits haben so ne Jahre sich in der Tat schon würdiger verabschiedet. Kaiser wurden erdrosselt, die römische Rheingrenze von einfallenden Barbaren atomisiert, die Stadt Medina Mayurqa wurde von den Muselmanen befreit und in Palma de Mallorca umbenannt, der Friede von Brest geschlossen, die Franzosen drangen in Rom ein, die Ostindien-Kompanie wurde gegründet, der Friede von Nikolsberg geschlossen, in der Schlacht bei Québec wurden die amerikanischen Truppen vernichtend geschlagen und das „fringsen“ vor sechzig Jahren erfunden:

„Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat.“ [Josef Kardinal Frings]

Und während ich noch dekliniere „Ich bustere, du bustert, er sie es bustern …“ schließe ich für dieses Jahr besser mit dem Miesnick Gottfried Keller:

Habt ihr euch auf ein neues Jahr gefreut,
die Zukunft preisend mit beredtem Munde?
Es rollt heran und schleudert, o wie weit!
Euch rückwärts. - Ihr versinkt im alten Schlunde.
huflaikhan - 31. Dez, 18:46

Der Keller hat was.

BusterG - 1. Jan, 19:18

Kühne Uhrenmacher

Ja finde ich auch, der wird gerne mal unterschätzt. Aber ich bin ja auch sowas von unfair und veröffentliche nur sonen Schnibbsel ganz ohne Gedichtstitel.

Deshalb nun:

So werd ich manchmal irre an der Stunde,
An Tag und Jahr, ach, an der ganzen Zeit!
Sie gärt, sie tost, doch mitten auf dem Grunde
Ist es so still, so kalt und zugeschneit!

Habt ihr euch auf ein neues Jahr gefreut,
Die Zukunft preisend mit beredtem Munde?
Es rollt heran und schleudert weit, o weit!
Zurück euch, ihr versinkt im alten Schlunde!

O hätt den Hammer ich des starken Thor,
Auf das Jahrhundert einen Schlag zu führen,
Ich schlüg sein morsches Zeigerblatt zu Trümmern!
Tritt denn kein Uhrenmacher kühn hervor,
Die irre Zeit mit Macht zu regulieren?

[Gottfried Keller: So werd ich manchmal irre an der Stunde]

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