ridikül

Sonntag, 23. November 2008

Wo ich herkam

„Komm, laß uns gehen
Schnee schauen, Sake trinken
Taumeln wie Flocken“
[Bashô]

Wo ich herkam und wohin ich eilte, von Wind und Schnee durchkreuzt, die eisige Luft war Reif im Haar, vom Winterwind hinausgejagt, getrieben, wo der Wind herkam und wo er hineilte und während das junge Pärchen keine zehn Meter vor mir rutscht und als sie zu fallen droht und er nachgreift, sie hilflos blickend an seinem groben Leinenärmel zerrt, er ihren rotwollenen Mantel helfend zu umfassen sucht und beide wankend langsam zeitlupengleich ins Weiße sinkend, da müssen sie lachen, erst leise und zart, ganz wie die Flocken um uns herum, dann laut schmetternd, schallend glühweinvergnügt, wie kindgeworden liegen, wälzen sie auf einer kleinen Wiese und lachen, und lachen weiter und ich kann nicht, kann nicht anders als mitzulachen, dabei beide Arme den am Bodenliegenden entgegen zu strecken, vorsichtig darauf achtend selbst leicht federnd zu stehen um ausreichend sicheren Stand zu haben, was einem ridikülen Wippen einer Kniebeuge mehr gleicht als unbedarfter Handreichung und doch sind wir am Ende alle an ein Ziel gekommen, vergnügter auch, doch nicht ohne Spuren zu hinterlassen, auf Schnee, Nacht und Wind gebaut.

Montag, 10. März 2008

Fragmente

„Karikatur ist eine passive Verbindung des Naiven und Grotesken.“
[Friedrich Schlegel: Athenaeums-Fragmente, 1798]

„Ich habe fertig“
[Giovanni Trapattoni: Pressekonferenz, 10.3.1998]

Donnerstag, 31. Januar 2008

Brauchtumspflege II

Donnerstag, 24. Januar 2008

A la la la la long long li long long long

„Alalong“ raunt mir gestern abend mein mir bis dato unbekanntes Gegenüber in der U-Bahn zu, „Alalong“ ginge das doch nicht mehr lange gut mit „diesem Dschungälkämp“, dann lehnt er sich zurück, reckt vor Erstaunen über die Klarheit seiner Gedanken das Kinn in die Höhe, seine Kölschflasche dabei mit beiden Händen fest umklammernd.

„A la la la la long, a la la la la long long li long long long - C'mon“ fällt mir dazu zunächst ein, (peinlich genug sich das einzugestehen,) von irgendeinem längst vergessenen Sweatalbum meiner Schwester.

Aber das mit dem Dschungel und was da nicht gut gehen wird, entzieht sich bislang noch ganz meiner unversendeten Vorstellungskraft. Meinen fragenden Blick beantwortet mein Gegenüber einhändig dozierend: Der Tomekk also, das sei ein „Die-tschei“ und der habe im Dschungelcamp ein „Späßchen gemacht mit einem Hitlergruß“ und nun habe ihn RTL einfach „nach Hause“ geschickt. Als ich ganz dialogbereit nachfrage, was man denn mit einem Hitlergruß für Späßchen machen könne, erfasst mich ein verachtender Blick, mein Gegenüber zieht geräuschvoll den Rotz in der Nase hoch und schaut fortan beschäftigt aus dem Fenster – Ende des Diologs. Ich überlege nur kurz noch einmal nachzufragen, ob das nicht mehr lange gut Gehende auch irgendwie mit Bata Illic zusammenhängt, aber mein Gegenüber torkelt schon mit unsicheren Schritten zum Ausgang beim Hochkreuz. Zu Hause angekommen muss ich – ganz gewissenhafter Chronist – recherchieren: Die Aufklärungsgazette „Bild“ hatte DJ Tomekks Video natürlich exklusiv, es ging ja eigentlich um „niveaulosen Humor“ und „dummes Witz-Gelaber“ [Tomekk] und damit sollte sich der Kölner Privatsender doch eigentlich bestens auskennen?

Für heute jedenfalls rüste ich mich mit den Top-Themen bevor ich eine U-Bahn betrete, denn „wer nicht geschunden wird, wird nicht geformt“ hat schon der olle Goethe dereinst gepoltert: „Hessen entscheidet am Sonntag über Aufschwung, Jobs und Wohlstand“, ließ Flocke Koch gestern in Wiesbaden verlautbaren und heute hat Flocke in Nürnberg gepupst. Ich weiß das exklusiv von seinem Leibarzt im Fernsehen der ihn nach eigener Aussage zweimal täglich untersucht. Flöckchen ist noch immer nicht über den Berg und hat Verdauungsprobleme, sein Pfleger massiert ihm jetzt den Bauch.

„Dreihundert Jahre meines Nachruhmes für eine gute Verdauung!“ soll Voltaire dereinst geboten haben und Theodor Fontane estimierte: „Gute Verdauung ist besser als eine Million“. Den Nachruhm von Flocke heute schon zu verkaufen kommt noch nicht einmal den Nürnbergern in den Sinn und das geistige Vermögen des hessischen Kochs ist wahrscheinlich schon verdaut. Dabei sucht sein Wahlkampfteam mindestens genauso verzweifelt nach Themen für den Schlussspurt wie die NASA derzeit die Marsmännchen die „Spirit“, einer der Roboter der seit 2004 andauernden Mars-Mission, Ende 2007 aufgenommen hat. Die Redakteure der britischen „The Times“ sind sich jedenfalls schon ziemlich sicher, dass es Leben auf dem Mars gibt und am Ende saß mir ja gestern ein kölschtrinkendes gegenüber und ich habe nur den Witz nicht verstanden? Vielleicht nehme ich heute doch besser das Auto …

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Was alles fehlt



[Auf der Suche nach dem Gold der Leprechauns. Buster 2007]

Zahllose weitere Geschichten sind fixiert in meinem geheimnisvollen, überaus trendigen, mattschwarz schimmernden, Skizzenbuch. Es muss sich nur ein rechtschaffen vermögender Verleger finden und der Erstellung eines - sagen wir mal sieben bändigen - realistischen, rauhbeinigen Reiseberichts steht nichts mehr im Wege. Bilderbunt bebildert meinethalben, zur Not auch mit zickig-zackigen Zeichnungen, doch doch: das könnte der große Reisebericht des 21. Jahrhunderts werden, der keltische Marco Polo, Humboldt mit Fritten und dergleichen … Und hier zum Anfixen ein paar überaus reißerische Over-the-Top-Stories, höchstselbst hautnah und haarklein erlebt, die nur darauf willfähig-wohlmeinend warten, erzählt zu werden:
  • Hot and ready: Die Partyhauptstadt zwischen Kindergeburtstag und Kegelausflug.
  • Auf den Spuren Ulysses: Warum Hannoveraner Studienräte in Funktionskleidung gewandet weinen mussten
  • Rauchen Sie doch woanders
  • It’s alive inside: Trainungshose und High Heels - der angesagte Dresscode
  • Dublins Babylon: Irisch für Iren
  • Als das fuckin arsehole nur unter Protest den Pub verließ
  • Männer mit kurzen Hosen und Fliegenklatschen: It’s Hurling
  • Palmen, Shorts und Regenschirm: Wetter gibt’s heute keines
  • Living at the breadline: Greasy Spoons und Dublins Gourmet-Tempel
  • Vom Spar zum Lidl zum Aldi und zurück: Dublins 'must see' Shopppingparadiese


Der Menge gefällt
Was auf dem Marktplatz taugt
Und es ehrt der Knecht
Nur den Gewaltsamen
[Hölderlin: Menschenbeifall]

Donnerstag, 29. November 2007

Crisis? What Crisis? Let’s Party!

Jonathan Swift, der Dekan der St. Patrick’s Kathedrale veröffentlichte 1729 einen ‚bescheidenen und wohlerwogenen Vorschlag’ um die sozialen Probleme seiner Zeit zu lösen: Die Kinder armer Leute sollten geschlachtet und den vornehmen Herrschaften als Festtagsbraten verkauft werden. Die Idee konnte sich bislang nicht durchsetzen, Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit haben zugenommen.

Ein Manager in grauem Anzug mit ‚mid-Atlantic accent’ sitzt neben mir im langweilig-cool desingten Cafe in den Docklands und liest die Irish Times. Ganz der Typ slave-driver, der von seinen Untergebenen die Hingabe eines japanischen Kamikaze-Piloten verlangt und bereit ist, sie dafür mit einer Handvoll chicken-feed zu vergüten.

Celtic Tiger? Es gibt nicht nur die klinisch reinen - sparkless - Docklands, in denen alle krank wirken und keiner betrunken ist, die Northside ist überwiegend noch immer den Verlierern des Aufschwungs vorenthalten in der Southside dominieren Boutiquen, noble Einkaufsstraßen und die Schuluniformen privater Schulen.

„Wären die Armen nur nicht so hässlich,
dann wäre das Problem der Armut leicht gelöst.“
[Oscar Wilde: Sätze und Lehren zum Gebrauch für die Jugend]

Außerhalb der Innenstadt liegt noch immer das Arbeiterviertel Cabra, das aus langen Reihen kleinster Häuser aus Backsteinen besteht und zu Dublin gehören noch immer die berüchtigten Mietskasernen in Crumlin oder Ballyfermot, die selbst hartgesottene Einwohner als no-go-area bezeichnen. Das Dublin des „Ulysses“ sollte keiner heutzutage erwarten, selbst wer vor zwanzig Jahren zuletzt in Dublin war, wird die Stadt kaum wieder erkennen, aber immer noch sind zahllose Homeless, Jobless und Travellers in den Strassen zu sehen. In wenigen Ländern in der EU ist die Schere größer auseinander gegangen, die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern größer.

Nach dem Beitritt der neuen EU-Mitglieder wurde aus dem Celtic Tiger – so sagen viele Iren – schnell ein Kätzchen, billiger geht es nun ohne Frage in anderen Ländern und die Lebenshaltungskosten sind zwischenzeitlich exorbitant gestiegen.

In Dublin ist täglich das Theaterstück „The Last Days of the Celtic Tiger“ zu sehen, die Aktienkurse sanken allein in den letzten beiden Monaten um fast 20%, wer in Pensionsfonds investiert hat, musste deutliche Verluste in Kauf nehmen und täglich fallen die Fonds weiter. Die Preise für Immobilien sind in diesem Jahr um 5% gesunken. Die neue Mittelklasse lässt sich jedoch (noch) nicht einschüchtern und genießt auf dem Wochenmarkt in Temple Bar die Irischen Austern von der Westküste mit einer Flasche Pinot Blanc. „When the going gets tough, the tough go shopping“ titelte der Irish Independent am 24. November und zitiert zur Bestätigung dieser These George Best:

“90 per cent of our money was spent on foreign holidays, fancy frocks, overpriced restaurant meals and fast cars – not to mention the booze. The rest was just wasted.”

Freitag, 23. November 2007

A puffball of smoke



[Liffey-Schmonzette, Buster 2007]

As he set foot on
O’Connel bridge
A puffball of smoke
Plumed up from
The Parapet.

[Joyce: Ulysses, 125]

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Deutschsein

„Bildung ist der Schlüssel für die Integration der Menschen aus Einwandererfamilien.“
[Angela Merkel, 2007]

„Wilde Völker schlagen die Fremdstämmigen tot, halbwilde sperren sie ins Getto, kultivierte, reife, selbstsichere Völker erziehen sie.“
[Hermann Schneider: Erziehung zum Deutschsein, 1925]

Samstag, 13. Oktober 2007

Im Hafen



[Im Hafen, Amsterdam. Buster 2007]

Sonntag, 29. Juli 2007

Danmarks styrke



[Rendevouz am Kattegat (DHL-Baywatch), 2007]

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Suche

 

Aktuelle Beiträge

Seit langen das beste...
Seit langen das beste Gedicht was ich gelesen habe....
Laura Kinderspiel - 12. Nov, 11:30
wow..
..echt "hot" diese Sonnenblumen.. seit langem die beste...
jump - 6. Sep, 11:53
Danke
Danke
huflaikhan - 28. Aug, 08:25
Ich mag sowas ja sehr...
Ich mag sowas ja sehr gerne lesen, vor allem richtig...
huflaikhan - 26. Dez, 16:15
Hatschi
... ok, bin wieder auf dem Boden der Tatsachen.. ;-)
jump - 17. Dez, 19:18
So weit!
Ja genau, also doch schon gar sooo weit ;-).
BusterG - 17. Dez, 00:26
Das ist in der Nordeifel:...
Das ist in der Nordeifel: Heimbach in Nebel und Sonnenschein.
BusterG - 17. Dez, 00:24
Geschätzte Wassertemperatur:...
Geschätzte Wassertemperatur: ca zwei Grad, also...
BusterG - 17. Dez, 00:23
Danke
Danke
BusterG - 17. Dez, 00:21
Natürlich ist das...
... AUCH an Dich gewandt. Ich würde doch sonst...
BusterG - 17. Dez, 00:21

Archiv

August 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 
 

RSS Box

Was bisher ...

Credits

powered by Antville powered by Helma

sorua enabled
Creative Commons License

xml version of this page
xml version of this topic

twoday.net AGB