stupend

Montag, 29. September 2008

Umstände im Prospekt

„Was wissen wir, wozu uns die Umstände treiben könnten!“
[F. W. Nietzsche: Über das Pathos der Wahrheit, 1872]

Es gehe ihm, quengelt mein Gegenüber und seufzt etwas zu affektiert hörbar auf, den Umständen entsprechend gut. Eine Wortfolge die mich an Geiselbefreiung denken lässt, Hungersnöte, Pestilenz und den dreißigjährigen Krieg. Ich kenne ‚die Umstände’ nicht und was ihnen entsprechen könnte, wir haben ganz gewiss ein sehr unterschiedliches Verständnis darüber, wie es ist, wenn es einem ‚gut geht’ und zu wenig Zeit und (ich potentiell auch zu wenig) Empathie, dies zu ergründen (falls das überhaupt ausreichend tief gehen sollte, wovon ich leider nicht immer & jederzeit überzeugt bin).

„Wer die Umstände für sich hat, dem ist niemand gewachsen“ zitiere ich Lü Bu We und verschweige geflissentlich, dass der chinesische Reichskanzler sich vor rund siebzehnhundert Jahren selbst getötet hat, weil die Umstände wohl gegen ihn standen im modrig-feuchten Keller seines Gefängnisses; dem Gegenüber hätte das allzu sehr ins Zeug gepasst und das wo doch schon Schopi gewarnt hatte.

„Für sein Tun und Lassen darf man keinen andern zum Muster nehmen; weil Lage, Umstände, Verhältnisse nie die gleichen sind, und weil die Verschiedenheit des Charakters auch der Handlung einen verschiedenen Anstrich gibt.“ [A. Schopenhauer: Parerga und Paralipomena, 1851]

Bücher sollte man schreiben, denke ich unsagbar tief versonnen in mein Eifelbier vor mir, die so ähnlich erhebend wie ‚Parerga und Paralipomena’ genannt werden könnten. Ich jedenfalls gratuliere – ganz empathieloser Holzklotz – meinem Gegenüber zum eigentlichen ‚gut gehen’ und tröste im Voraus für dunklere Tage, dass „irgendwas ja immer sei“ und es eben komme wie es komme und da bin ich schon leichtfüßig durch die Tür und frage mich im hinauseilen was der olle Kant wohl in seinen ‚Reflexionen’ gemeint haben könnte mit:

„Jedermann würde die schlechten Umstände auf die erste Lebenszeit und die guten auf die letzte verschieben, damit er sie im Prospekt hätte.“

Montag, 15. September 2008

We do it the Kerry way.

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[Killarney National Park: Upper Lake, Loush Leane und der Mt. Purple]

Als mehr als genug Schmutz ausgegraben war, wollte ich zur Beruhigung der Gemüter mal über Verbesserungen sprechen und es ist ja meist auch so, dass „Lessons Learned“ immer dann ins unerträgliche Ausmaß wuchern, wenn wenig oder gar nichts zu lernen war. Diesen Vorschlag hatte ich bereits in Monktown der Affenstadt vorgebracht irgendwo zwischen dem zweiten und vierten Erfrischungsgetränk. Gestern jedenfalls überrascht der kleine Lord (er ist mindestens einen Kopf kleiner, auch das scheint irgendwie noch ein Problem zu sein) mich mit dem Vorschlag den Workshop zu Verbesserungen der ‚vibrations’ (ich liebe solche Quatschwörter über alles) in einer landschaftlich reizvollen Umgebung stattfinden zu lassen, wenn der schon ausgerechnet am Wochenende stattfinden müsse. Er selbst würde natürlich auch versuchen vorbeizuschauen, allein es gebe so unsagbar viel zu tun, weint er fast voll Selbstmitleid.

Es sei auch manchmal wirklich klüger, als engagierte Führungskraft nicht präsent zu sein, heuchle ich eigentlich sehr offensichtlich, aber er scheint es gar nicht zu bemerken, sondern atmet erleichtert auf und ich erinnere mich dunkel an die Ankündigung, dass der Provinzfürst gedenkt auf die Jagd zu gehen am Wochenende – wenigstens hat er mich noch nicht zum Golfen aufgefordert. Natürlich habe ich ihm gleich zu seinem hervorragenden Vorschlag gratuliert und die Gegend von Kerry vorgeschlagen. Dort würden, so meine zugegeben wenig subtile Anmache, die Menschen ja bekanntlich auf konkrete, wohlüberlegte Fragen selten eine klare Antwort geben und das sei dem Kommunikationsverhalten unseres Projektes doch mehr als vertraut.

Nun ist dazu gleich vielerlei anzumerken: Zum einen wollte ich da schon immer mal hin und dann sind mir nun aber wirklich viele Mittel recht – solange ich das noch irgendwie begründen kann. Zum zweiten hat er wohl seine Mitarbeiter ganz und gar offensichtlich eingeschüchtert wie es am Hofe von Ludwig dem fünfzehnten nicht böser hätte sein können: Sie verhalten sich jedenfalls so, als habe er jedem, der mehr als drei Worte mit mir spricht, gedroht, die Zunge abschneiden zu lassen: Sobald sie mich am Horizont erkennen, stürzen sie wie traumatisierte Hühner vor dem Habicht davon und suchen Deckung unter verstaubten Aktenordnern oder geben vor zum wievielten Male an diesem Tage auch immer, die Verkabelung des Rechners überprüfen zu müssen.

Drittens, auch Heinrich Böll hat in seinem ‘Irischen Tagebuch’ von der Abgeschiedenheit der Grafschaft Kerry berichtet und von der Schicksalsergebenheit ihrer Bewohner: Kerrymen sind Gegenstand unzähliger Witze. Und so kommt es, dass ich endlich zu meinem ausgedehnten Spaziergang an den Seen Killarneys finde und ein Dutzend erwachsener Menschen auf bunte Papierkarten unleserliche und (mir) unverständliche Dinge schreiben. Und alle hoffen inbrünstig, dass der Lord nicht mal eben vorbeireitet mit seiner Jagdgesellschaft.

Womöglich beginnen die gleich mit den Fragen, was denn da in der Affenstadt geschehen sei bei all den Ein- und Ausladungen. Ich sage besser nichts, schließlich werden die ihre Zunge noch gebrauchen können.

Montag, 23. Juni 2008

Wir haben Fieber

„Wir haben Fieber“ scheppert es aus einem unter der Decke befestigten Flachbildschirm um die mutmaßlich vierundzwanzigste Nachlese des gestrigen Fußballabends einzuläuten. „König Juan Carlos war in der Kabine“ höre ich grade noch die Topmeldung als Giovanni, mein italienischer Wirt, missmutig abschaltet während er recht Unverständliches in scharfem sizilianischen Dialekt vor sich hin grummelt, grade so als gelte es kleinen Kindern ordentlich einen Schrecken einzujagen. Luca Toni habe sich doch immerhin bemüht versuche ich ihn etwas aufzumuntern aber Giovanni schnaubt nur verächtlich. Nicht dass ich von dem sogenannten Spiel etwas gesehen hätte, aber sämtliche Medien scheinen ja nur noch ein Thema zu kennen ohne dass man ihnen entkommen könnte.

Italienischer Fußball heißt dramatisch Hinfallen und dabei laute Schmerzschreie von sich geben sobald sich ein Gegner auf Armlänge nähert, der Rest ist kontrollierte Defensive bis die gegnerische Mannschaft aus schierer Verzweiflung ein Eigentor schießt. Offen gesagt weiß ich gar nicht, ob überhaupt noch jemand hinsieht, wenn die italienische Mannschaft den Rasen betritt. Die einen spielen, bis sie gewinnen, die Italiener gewinnen, ohne zu spielen. Bis auf gestern eben. Aber so brilliant wie deutlich sollte ich das Giovanni heute besser nicht sagen.

Um sein Karma ist es jedenfalls denkbar schlecht bestellt als er breitbeinig vor mir protestiert dass die ganze Nacht vor seinem Haus ein lärmender Autokorso abgehalten wurde und ich als Antwort auch noch albern einen „Kaffee Olé" ordere und mir anzüglich beidhändig Stierhörner aufsetze. „Jetzt“ sagt er als den Milchkaffee gespielt barsch auf den Tisch stellt während er mich mit seinem roten Geschirrtuch etwas neckt „habe ich fertig mit der Eh-eM“. Und dann reden wir noch - ganz so als wären wir zwei Erwachsene – ein wenig darüber, wann er wieder nach Sizilien fährt und diesen leckeren Nero d’Avola mitbringt ohne den man sich seine Linguini mit Steinpilzen gar nicht vorstellen mag.

Donnerstag, 28. Februar 2008

Verfall



„Am jetzigen Verfall hat jeder von uns seinen eigenen Anteil.“
[Michel E. de Montaigne: Essais, 1580]

Montaigne-Project, Essais bei zeno.org

Dienstag, 8. Januar 2008

Die Lage ist hoffnungslos

„Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst“ wird als Wiener Bonmot aus dem ersten Weltkrieg überliefert. Wenn Politiker sich freilich von der Presse mit den Worten „Es ist ernst” zitieren lassen, muss schon Unglaubliches passiert sein. Seit wann bitte wurden Politkern jemals ernste Absichten unterstellt? Der französische Präsident Nicolas Sackgesicht hat, so vermeldet heute dpa, eine Hochzeit mit der italienischen Nochmusikern Carla Bruni nicht ausgeschlossen. „Es ist ernst” soll er der anwesenden Weltpresse ins bereitwillig hingehaltene Mikrofon getextet haben „Sie werden es erfahren, wenn es passiert ist”. Wie ernst es ist, war freilich schon klar als beide den Beginn ihrer Liason im Disneyland bei Paris medial in bester französischer Sonnenkönig-Tradition zelebriert haben.

„Nur wer das Leben ernst, bitter ernst nimmt, hat auch wirklich Humor“ wusste schon der verehrte Immanuel Kant in seiner Kritik der reinen Vernunft zu berichten. Aber wenn man die falschen Sachen ernst nimmt, können sie, das weiß man nie vorher, richtig unheimlich ernst werden. Und wer hätte geglaubt, dass es so schnell „Ernst“ werden würde? Noch vor kurzem hatte seine Mutter uns Hoffnung auf eine lange Schmierenkomödie gemacht als sie triumphierend festgestellt hat: „Mein Sohn kann alle haben“! Der Präsident und das Glamour-Girl, die kunstsinnige Industriellentochter, das Ex-Mannequin mit zahlreichen Affairen mit Dinosauriern wie Immmobilien-Magnat Trump und Mick Jagger - eine Geschichte, (wie) für Medien arrangiert und inszeniert. Herrscher haben sich immer schon inszeniert und heute darf man niemanden das mediale Inszenieren vorwerfen, es sei denn jemand meint es „Ernst“.

„Zu ernst hat's angefangen, um in nichts zu enden.“ [F. v. Schiller: Wallensteins Tod, 1799]. Nehmen wir das Leben besser nicht so ernst, denn wir kommen am Ende ja doch nicht lebend davon …

Samstag, 5. Januar 2008

Endlich!

Endlich hat sich auch Angela Merkel für Erziehungscamps ausgesprochen: "Ich meine, 'Warnschuss-Arrest' und Erziehungscamps können durchaus eine sinnvolle Ergänzung im Strafrecht sein.“ Ein längst notwendiger Schritt in die richtige Richtung! Helmut Kohl könnte heute noch amtierender Bundeskanzler sein, hätte man ihn während der Spendenaffäre kurzfristig in ein (Um-) Erziehungscamp gesteckt. Zahllose Politiker hätten durch den gezielten Einsatz eines 'Warnschuss-Arrestes' womöglich von der schiefen Bahn abgehalten werden können. Hier nur einige erschütternde Beispiele gestrandeter Biographien, ohne jeglichen Anspurch auf Vollständigkeit:

Klaus Landowsky (ehemaliger) CDU-Politiker (verurteilt zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten wg. „gravierender Pflichtverletzungen“ und „falscher Berechnungen“).

Graf Otto Lambsdorff, (ehemaliger) Bundesinnenminister FDP (verurteilt wg. Steuerhinterziehung).

Otto Wiesheu, (ehemaliger) Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft und Verkehr CSU (verurteilt zu 11 Monaten Haft auf Bewährung wg. fahrlässiger Tötung).

Karl Wienand (ehemaliger) Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD (verurteilt zu zweieinhalb Jahren Haft wg. Spionage).

Walter Döring (ehemaliger) stv. Bundesvorsitzender der FDP und Wirtschaftsminister des Landes Baden-Württemberg, (verurteilt wg. uneidlicher Falschaussage zu neun Monaten Haft auf Bewährung).

Hans Wallner (ehemaliger) Landtagsabgeordneter der CSU (verurteilt zu einem Jahr Haft auf Bewährung wg. Telefonsex auf Staatskosten, bereits vorbestraft wg. Beleidigung und einer falschen eidesstattlichen Erklärung).

Kurt Neumann (ehemaliger) Bundestagsabgeordneter der SPD (verurteilt wg. Untreue, bereits vorbestraft wg. Steuerhinterziehung und Vorenthalten von Sozialabgaben und Untreue).

Manfred Kanther (ehemaliger) Bundesinnenminister CDU (verurteilt zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung wg. Untreue).

Michel Friedman (ehemaliges) Mitglied im CDU-Bundesvorstand, verurteilt wg. Kokainbesitz).

Reinhard Klimmt (ehemaliger) Bundesverkehrsminister SPD (verurteilt wg. Untreue).

Günther Krause (ehemaliger) Bundesminister CDU (verurteilt zu 3 Jahren und 9 Monaten Haft wg. Betrugs, Untreue und versuchter Steuerhinterziehung.

Nach Recherchen der internationalen Anti-Korruptionsliga Transparency International begehen Beamte und Politiker in Deutschland jährlich rund 10.000 Straftaten wie Vorteilnahme, Bestechlichkeit und Vorteilsgewährung, diese Rate hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert. In Deutschland entsteht so jährlich ein Schaden von rund 100 Milliarden Mark.

Freitag, 4. Januar 2008

Das wird schon

„Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean“ soll das Geburtstagskind anlässlich der Verleihung des Adelstitels all jene getröstet haben, die seine drei Axiome der Mechanik nicht richtig verstanden haben. Und tatsächlich: Die Mehrheit der Deutschen antworten auf die Frage, was sie persönlich gegen die globale Erwärmung unternehmen mit dem Hinweis, dass sie Müll trennen - der sich dann auf den Müllkippen der so schlecht genannten Dritten Welt wiedervereinigt. In Memoriam DDR die ja der Weltmeister in Sachen Recycling war. Ob aus der Not da eine Tugend wurde tut hier nicht wirklich zur Sache.

Mein Nachbar jedenfalls, grüßt mich heute ganz leutselig und unvermittelt zum Neuen Jahr während er eine Schreibtischlampe umständlich in den Achtzylinder Schwabenkombi einlädt und sich dabei mehrfach mit dem Kabel verheddert. Seine Frau, so kommentiert er ungefragt sein Tun, bestehe nun mal auf Mülltrennung und nun werde er also diesen Elektroschrott zur städtischen Sammelstelle bringen. Es müsse, sagt er und versucht mir dabei so verbindlich motivierend in die Augen zu blicken wie man es nur auf Managerfortbildungsseminaren in St. Gallen lernen kann, halt jeder seinen Beitrag leisten, dann werde das schon.

Ich wollte noch fragen was denn dann werde, wenn jeder eine Schreibtischlampe mit einem Auto mit 285 KW zur Sammelstelle bringe, aber er war schon eingestiegen und losgefahren, ganz siegessicher, den notwendigen Beitrag erbracht zu haben.

Samstag, 29. Dezember 2007

Schnellvorlauf: 2008 für Widder

Die Widder können sich auf ein wunderbares 2008 freuen: 2008 wird mein absolutes Erfolgsjahr! Wenn ich nicht nach den Sternen greife, bin ich selbst schuld. Jupiter und Pluto bilden das Gespann, das mich ganz bis zur Spitze befördert, aber Vorsicht: Jupiter macht auch etwas übermütig. 2008 wird richtig durchgestartet: Ich fühle mich gut und energiegeladen. Kaloriensünden bleiben vermutlich nicht ungestraft. Eine gute Voraussetzung, lang gefasste Vorsätze auch endlich durchzuführen! Ich fange gleich an, denn im April kommt die erste Bremse. Kaum ist Sylvester vorbei, da gesellt sich eine heißblütige Venus an die Seite der Widder und Saturn glänzt durch Abwesenheit. Ansonsten könnten mir im Herbst einige Fehler unterlaufen. Aber bis dahin habe ich genügend Möglichkeiten, mich abzusichern! Ich traue mir ruhig etwas zu, schreibe die Bewerbung, fordere die Gehaltserhöhung und mache mich selbständig. Jupiter und Pluto! Ich bin 2008 mit einer Menge Selbstbewusstsein versorgt, habe ein gutes Gespür, wo sich Geld verdienen lässt. Da meine Nerven auch nicht immer sehr strapazierfähig sind, sollte ich in der kostbaren Freizeit keinen zusätzlichen Stress riskieren, sondern häufiger auf Entspannung setzen. Ohne Saturn wird sich 2008 ganz prächtig und mit viel angenehmen Trubel entwickeln, genauso wie der Widder es mag. Ich lerne das Meditieren, das kann Wunder wirken. Ich nutze meine Chancen und greife zu, was immer sich mir bietet! Jupiter und Pluto! Aber ich werde in meinem Erfolgsrausch nicht zu übermütig! Ich achte darauf, immer schön für Ausgleich zu sorgen. Es wird mir gut tun, mich ab und zu zurückzuziehen und zu erholen. Jupiter! Ich gehe keine Risiken ein! Ich brauche mich nicht permanent in Watte zu packen, doch es kann nicht schaden, wenn ich die Gesundheit etwas im Auge behalte. Die Entwicklungen könnten etwas stagnieren. Und so wird in 2008 vor allem meine Ausdauer und Beharrlichkeit geprüft. Ich könnte vom Regen in die Traufe kommen, was meinen Finanzen schadet. Ich kläre Konfliktpunkte in intensiven und ehrlichen Gesprächen. In jedem Fall sollte ich zu Kompromissen bereit sein. Es lohnt sich, die beruflichen wie privaten Herausforderungen anzunehmen und mit Besonnenheit und Überlegung zu meistern. Im Herbst stehen die Zeichen auf Rückzug: Ich nutze die Zeit, um mit mir ins Reine zu kommen und abzuschalten. Ein Grund mehr, auf eine vernünftige und ausgewogene Ernährung zu achten und auf die Linie möglichst auch. Ich achte auf Details und gehe systematisch und ausdauernd ans Werk. Keine leichte Übung, zugegeben. Doch wenn ich durchhalte und meine Vorhaben und Konzepte auch bei gewissen Widerständen nicht aufgeben, gehöre ich zu den Gewinnern. Keinesfalls sollten ich mit Gewalt meine Trainingseinheiten durchziehen, wenn der Körper schon längst Signale gibt, dass es Zeit ist, sich auszuruhen. Ich bin vorsichtig, wenn es um größere berufliche Veränderungen geht. So reizvoll manches auf den ersten Blick auch aussehen mag, 2008 lautet die Devise für Widder: „ohne Fleiß kein Preis“.

Sonntag, 18. Februar 2007

noch alles klarmachen

„Auch wird man einsehen, dass Dummköpfen und Narren gegenüber es nur einen Weg gibt, seinen Verstand an den Tag zu legen, und der ist, dass man mit ihnen nicht redet.“ [Arthur Schopenhauer: Aphorismen]

Es ist ja nichts wirklich Neues, dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr gänzlich überbewertet wird. Insbesondere gilt dies offensichtlich für den nicht stattgefunden habenden. Ich möchte dies heute aber dennoch kurz ansprechen; nicht nur für Bruce Lee, aber sicherlich hat auch nicht alles, was ich ihm gestern an höchst hilfreichen und überaus lebensklugen Ratschlägen gegeben habe, seinen komatösen Zusammenbruch überlebt. Vielleicht ist es am Ende aber sogar so gewesen, dass nicht alle meine Argumente, womöglich alkoholbedingt, so ganz und gar blitzsauber und wohlsortiert waren.

Jener Bruce Lee jedenfalls war so gegen Mitternacht sehr entmutigt und durch zahlreiche Biere wohl auch etwas ermattet an der Theke an meine Schulter gesunken und hatte mir ins fast taube Ohr gebrüllt, er sei Charly und diese Session sei „einfach fürn Arsch“. Nun bin ich im Allgemeinen ein eher wortkarger Mensch der – mit gewisser Menschenscheue ausgestattet – versucht, obiges Schopenhauer-Zitat jedenfalls dann ernst zu nehmen, wenn ich auf mir völlig unbekannte Menschen treffe, die offensichtlichen Unsinn reden. Andererseits ist es im Rheinland nicht nur in diesen Zeiten durchaus üblich, ungefragt Lebenshilfe zu geben oder was man dafür hält. Ich schaue Charly also verwundert an und frage, wo sein Problem denn nun im Detail auszumachen sei.

Diese Session sei „ganz und gar fürn Arsch“ wiederholt er den Satz und um seine Verbitterung zu unterstreichen schlägt er bei jedem Wort mit beiden Fäusten auf die Theke. Dies fällt freilich in keiner Weise auf, weil aus den Boxen in voller Lautstärke „Viva Colonia“ wummert. Nun schien das Bier dem wackeren Asienkämpfer den Rest zu geben, er drohte jedenfalls wegzusinken und warf auf der Suche nach Halt noch allerlei Gläser und Narren um. Als ich gerade jedes Interesse zu verlieren drohe, greift er das Gespräch wieder auf: Er habe, artikuliert er mühsam und schwer lallend, „noch keine einzige flachgelegt“. „Keine Einzige flachgelegt“ brüllt er trotzig gegen die Karnevalslieder an und dreht sich dabei im Halbkreis zu einem imaginären Publikum. Und es sei doch „schon Samstag Nacht“, mithin – jetzt versucht er an seinen Fingern etwas abzuzählen – ergo „quasi Halbzeit durch“.

Nun war es an mir, ihm Mut zuzusprechen, denn er hatte sich mit diesem Geständnis offensichtlich sehr verausgabt, das er noch ein paar Mal leiser wiederholte, fast flüsterte. Der Abend sei doch noch jung, versuche ich ihn zu trösten, auch wenn sein Zustand offensichtlicher Vorbote künftiger Erfolglosigkeit zu werden drohte. Er könne, verspreche ich und proste ihm zu, doch noch „alles klarmachen“ und dann würde er über die Session sicher anders urteilen.

Ich gestehe, dass ich dieses „alles klarmachen“ aus [E. Henscheid: Die Vollidioten] entlehnt habe, weil es mir die Zielgruppenspezifischste Ausdrucksweise erschien. Offensichtlich hatte mein Gegenüber den Kern meiner (bzw. Henscheids) Botschaft verstanden – und ich möchte Herrn Henscheid an dieser Stelle ausdrücklich wie nachhaltig für vollbrachte Lebenshilfe danken – denn Charly versucht mich nun mehrfach zu umarmen und betont dabei unentwegt, ich sei „ein guter Mensch“. Diese Nachricht schien ihm dermaßen bedeutsam, dass er mehreren Umstehenden dies ausführlich zu erklären suchte und bei der Bedienung „dafür eine Lokalrunde“ orderte (was wir umstehenden Gutmenschen dann freilich stornierten).

„Dabei habe die eine Kuh“ fiel er in einem plötzlichen Stimmungsumschwung wehmütig wieder in eine Reprise, am „Donnerstag so zu ihm hingelächelt“, da hatte er noch gedacht er könne schon am ersten Tag „alles klarmachen“ benutzte er nun sogar meine (bzw. Henscheids) Worte und sie „gleich flachlegen“. Aber dann hätte er sich nicht hingetraut und nun sei „alles fürn Arsch“. Offensichtlich war damit die Anzahl der ihm zur Verfügung stehenden Worte erreicht, ich gab ihm noch ein Bier aus, das ihm für die nächsten Stunden auch genügen sollte. Er schlummerte friedlich in der Ecke nur wenn sich die Kneipentüre öffnete, hob er kurz den Kopf und sagte laut er werde schon „noch alles klarmachen“.

Irgendwann hatten wir Erwin dann endlich überredet, dass er Charly mit seinem Taxi nach Hause fährt. Der hatte lange nüchtern und wortreich Widerstand geleistet und um seine Schonbezüge gefürchtet. Da war die Ecke aber schon verlassen und so muss völlig offen bleiben, ob Charly es gestern gepackt haben sollte und „noch alles klargemacht“ hat.

Montag, 12. Februar 2007

Urteilskraft

„Mit dem Alter“ so der vor 203 Jahren verstorbene Kant, „nimmt die Urteilskraft zu und das Genie ab.“ [Kant, I.: Kritik der Urteilskraft, 1790]. Ich bin mir da seit geraumer Zeit nicht so sicher, dass dies heute noch und insbesondere auch für meine Person gilt.

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Laura Kinderspiel - 12. Nov, 11:30
wow..
..echt "hot" diese Sonnenblumen.. seit langem die beste...
jump - 6. Sep, 11:53
Danke
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huflaikhan - 28. Aug, 08:25
Ich mag sowas ja sehr...
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huflaikhan - 26. Dez, 16:15
Hatschi
... ok, bin wieder auf dem Boden der Tatsachen.. ;-)
jump - 17. Dez, 19:18
So weit!
Ja genau, also doch schon gar sooo weit ;-).
BusterG - 17. Dez, 00:26
Das ist in der Nordeifel:...
Das ist in der Nordeifel: Heimbach in Nebel und Sonnenschein.
BusterG - 17. Dez, 00:24
Geschätzte Wassertemperatur:...
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BusterG - 17. Dez, 00:21
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BusterG - 17. Dez, 00:21

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