saumselig

Donnerstag, 24. Juli 2008

Wer hat gesagt dass gelb nicht schön ist

Christoph Rütimann, 1955 in Zürich geboren, zweifellos einer der wichtigsten Schweizer Gegenwartskünstler und wohl der vielseitigste unter ihnen. Ob Performance, Klang-, Text- und Videoarbeiten, Zeichnung, Malerei oder Skulptur. Er thematisiert Linie, Farbe, Objekt, Schrift, Bewegung; setzt Grenzen, zeigt Zufälligkeit wie Exaktheit. Die vielschichtige Werkschau wird nach dem Kunstmuseum St.Gallen noch bis Ende August im Kunstmuseum Bonn gezeigt.

IMG_0074n [C. Rütimann: Musik-Performance in Sempach, 1986]

Ich habe ihn erstmals 1986 im Rahmen einer Musik-Performance in Sempach erlebt. Ruhig, unaufgeregt agierte er da vor überraschend wenigen Anwesenden.

IMG_0078n [C. Rütimann: Der grosse Schlaf, 1995 (Ausschnitt)]

Sechs Jahre später sah ich ihn wieder bei seiner Performance „Der grosse Schlaf“ in Pfäffikon in einem Einkaufszentrum. Rütimann bestellte eine Lastwagenladung mit Aktionsprodukten der kommenden Woche. Aus Büchsenravioli, Dosenmilch, Waschmittel, Toilettenpapier und Eisteepackungen baute er eine farbenprächtige Kulisse auf und legte sich mehrere Stunden darin schlafen während tütenbepackte Eidgenossen kopfschüttelnd an ihm vorbei defilierten. Andere diskutierten ob hier Konsummüdigkeit thematisiert werden sollte, Rütimann lag scheinbar entrückt da. Er hat sich immer gegen schnelle Festlegung und für Vieldeutigkeit und Offenheit ausgesprochen.

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[C. Rütimann: Chi ha detto che il giallo non è bello 1983, 35 Fotografien]

Bei Chi ha detto che il giallo non è bello wirft Rütimann eine Kamera mit Selbstauslöser hoch. Die erfasst zufällig gelbe Rapsblüten, Himmelblau, braunen Boden und grünen Wald - Fotografie als Genese der Malerei.

Mittwoch, 23. Juli 2008

Mach mal mehr Licht

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„Der heilige Lichtstrahl, dem ich standhielt, hätte mit seiner Schärfe, glaub ich, mich zerstört, hätt' ich die Augen von ihm abgewandt. Und ich erinnre mich, wie umso kühner ich dann das Licht ertrug, bis endlich sich mein Schauen dem Unendlichen verband.“
[Dante Alighieri: Die göttliche Komödie]

Dienstag, 12. Februar 2008

Hang zur Ruhe

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„Faulheit ist der Hang zur Ruhe ohne vorhergehende Arbeit“
[I. Kant: Anthr. 1. T. § 87].

Donnerstag, 10. Januar 2008

F.cken bis Meister Eder kommt …

Pumuckl darf eine Freundin haben, so wurde vom Landgericht München I entschieden. „Pumuckl“, das ist nach gängiger Meinung ein rothaariger Kobold, der bei Schreinermeister Franz Eder lebt, knisterndes Papier, glitzernde Gegenstände, Schokolade, Segelboote und Unordnung liebt. Sein liebstes Hobby ist das „Aushecken von Streichen und das Dichten“. Warum also, so sollte man meinen, darf so ein Kobold keine Gefährtin haben? Auch Kinder schlössen schließlich, so der zuständige Richter in München, „Sandkasten-Ehen“ und entschied: „Pumuckl habe eine Freundin verdient“.

Nun soll hier nicht der Ort sein zu hinterfragen, welche Leistungen einen Kobold dazu befähigen, sich eine Freundin „verdient zu haben“ oder gar zu würdigen, „wie wichtig für die psychische Entwicklung und Heilung eines Menschen [es] ist, sein ganzheitliches Selbst zu finden“ wie die Kunsttherapeutin (und Mutter I) von Johnson arg betroffen zu Protokoll gibt und welchen Anteil die Freundin von Pumuckl beziehungsweise die richterlichen Erlaubnis, sich eine Freundin zulegen zu dürfen, dabei hat.

Während manche nun vorschnell den Kopf schütteln vor Unverständnis womit sich Bayrische Gerichte beschäftigen, andere die Vorstellung eines Geisten mit Freundin als „geschmacklos“ bezeichnen (Ellis Kraut, Mutter II) oder eben als ernstzunehmenden juristischen Disput rund um das Copyright von Kobolden, entpuppt sich die - ausgerechnet - bayrische Entscheidung der Jurisdiktion bei näherer Betrachtung als Politthriller erster Ordnung und es ist nur noch eine Frage der Zeit bis Roland Koch und seine Mannen es auch merken und eilends eine brutalstmögliche Pressekonferenz einberufen werden.

Denn sprechen wir es doch offen aus: Pumuckl ist ein Arbeitsverweigerer desser liebster Ort die Hängematte ist, ein integrationsunwilliger Ausländer, Migrant mit unscharfer Herkunft („zwei Mütter“!) und zweifelhaftem Aufenthaltsstastus der sich unter höchst fadenscheinigen Gründen („am Leimtopf hängen geblieben“) weigert, die Schreinerwerkstadt zu verlassen, was über kurz oder lang zu einem Zusammenbruch des bayrischen Wirtschaftswachstums führen wird und der nun noch um Familienzusammenführung gebeten hat um sich künftig zügellos zu vermehren und mit seinen womöglich zahllosen rotschopfigen Balgen (das Sexualverhalten der Kobolde ist bislang weitestgehend unerforscht!) als gutsaturierter Kindergeld- und Harz IV-Empfänger dem braven, enthaltsamen und fleißigen Steuerbürger zur Last fallen wird.

Wenn wir Glück haben.

Es gibt schließlich auch die Möglichkeit, dass durch diese dem zügellosen Sexualtrieb geschuldete richterliche Entscheidung aus dem Kobold ein allzeit gewaltbereiter, langzeitarbeitsloser, ausländischer Jugendlicher wird der nicht mehr dem Meister Eder kleine Streiche spielen wird, sondern ohne mit der Koboldwimper zu zucken die deutsche Freiheit in der Münchner U-Bahn angreifen wird. Ein betrunkener, sexssüchtiger, jugendlicher Pumuckl wird uns dereinst am Marienplatz auflauern und uns kameraüberwacht den Arsch versohlen, dass es sich gewaschen hat. Dann aber wird es zu spät sein zur Reue, verehrte Freundinbefürworter! Wohin bitteschön sollte man denn einen gewaltbereiten Kobold abschieben? Und wir, verehrte vieltausendköpfige Leserschaft, werden alle alle immerfort nur noch CSU wählen wollen und das ist dann womöglich, wenns mans recht und lang genug bedenkt, der tiefere Sinn dieser bayrischen Gerichtsentscheidung ...

Mittwoch, 14. November 2007

Die Bahn

Das Ziel muss man früher kennen, als die Bahn. [Jean Paul, Flegeljahre]

Der Schritt verrät, ob einer schon auf seiner Bahn schreitet. Wer aber seinem Ziele nahe kommt, der tanzt. [F. W. Nietzsche, Also sprach Zarathustra]

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Saumselig



[Saumselig vor Texel, Buster 2007]

Montag, 23. Juli 2007

Wo grade noch?



[Saumselig bei Flekkefjord, 2007]

Donnerstag, 3. Mai 2007

Die größte Sünde

Mein neuer Nachbar, soviel sollte ich dieser gänzlich unbedeutenden Randnotiz vielleicht vorausschicken, rechnet sich offensichtlich einer anderen sozialen Identität zu als ich oder gar die etwas verwirrte Bewohnerin eines Altersheim ganz in meiner Nähe es tun. Jene drei Handlungsträger trafen sich jedenfalls heute gegen 10 Uhr an einem überdurchschnittlich sonnigwarmem Maitag in der beschaulichen Beethovenallee und Henri Tajfel, Urvater der berühmten Tajfels Minimalgruppen-Experimente hätte sicher ganz und gar anders über diesen nur scheinbar unbedeutenden Zusammenhang berichtet. Nun ist aber bedauerlicherweise Henri Tajfel vor 25 Jahren in Oxford an Krebs gestorben, so dass Sie nun eben mit meiner gänzlich anderen Schilderung vorlieb nehmen müssen.

Alte Vögel sind schwer zu rupfen weiß ja der Volksmund. Vielleicht glaubte ja deswegen mein neuer Nachbar er könnte mit seinem silbernen Porsche-Geländewagen mit so stark überhöhter Geschwindigkeit am nahen Altersheim vorbeidonnern, dass eine die Strasse kreuzende Bewohnerin sich nur noch durch einen beherzten Sprung in meine Fahrbahn zu retten glauben konnte. Der Herr Nachbar fuhr jedenfalls unbeeindruckt weiter und ich - samt zwei Flaschen soeben erstandenen besten Abruzzenweins - mit meinem dunkelgrünen Stahlross in die hellblau getönte, bockspringende Greisin.

Der Montepulciano jedenfalls hatte ein wundervolles Jahr 2004 in den besten Lagen des Castello di Salle in 800 Metern zugebracht wo er von morgens bis abends von der lieblich mild-gütigen Sonne der Abruzzen tagein wie tagaus beschienen wurde. Hernach bettete der (mir persönlich bekannte) eher kleinwüchsige Bologneser Raffaelle ihn mit der unnachahmlichen Souveränität und Gelassenheit eines Spitzenkellermeisters zwei Jahre zur Reife und Ruhe acht Meter unter der Abruzzenerde in ein aus dem Kalkstein gehauenes Gewölbe in frische Eichenfässern aus den Dolomiten Südtirols bevor er nach umsichtiger Alpenüberquerung bestgelaunt von meiner wie immer bezaubernden Weinhändlerin in meine fürsorglichen Hände übergeben wurde und ich ihn mit größter Hochachtung und unter weitestgehender Vermeidung jedweder unbotmäßigen Erschütterung in Schrittgeschwindigkeit ins Nahe Zuhause chauffierte. Bis eben jener Nachbar und jene Blaugetönte meinen Weg kreuzten.

Als ich kurz darauf erneut bei meiner Weinhandlung eintrat und den Vorgang betroffen schilderte, sah mich mein liebster Weinhändler aus traurigen, 80-jährigen Augen an und sprach, seine Gattin an der wogenden Hüfte beherzt umfassend, an sich ziehend und in wie abwesendem Tonfall: „Wein verschütten ist die größte Sünde“. Inständig bat ich in das betroffene Schweigen hinein noch darum, die ganze Angelegenheit dem (mir persönlich bekannten!) Bologneser Raffaelle nicht anzutragen. Auch wenn er kleinwüchsig ist, hätte er sicher erwartet, dass ich ohne Rücksicht auf Greisin, Porsche und Schürfwunden alles zur Rettung seiner beiden Flaschen getan hätte und versprach zudem mutig, den nichtswürdigen Nachbarn bei nächster sich bietender Gelegenheit zur Rede zu stellen. Ob ich noch einmal zwei Flaschen kaufen kann?

Sonntag, 11. Februar 2007

De Zoch kütt: Schweinheim! Wutz! Wutz!

„In einem Dorf habe ich einmal einen Festzug beobachtet, in dem sogar die Maulesel mit bunten Bändern behängt waren. So unentbehrlich ist den Menschen die Verkleidung geworden, dass sie sogar ihre Pferde damit belästigen müssen.“
[Luc de Clapiers Vauvenargues: Reflexionen und Maximen, 1746]


Für die nicht unbeachtliche Anzahl der Wenigentschiedenen, Kurzentschlossenen, Geringgescheiten und Ultimativfeierbereiten unter meiner Vieltausendköpfigen Leserschaft hat Bei Chez Buster heute keine Gefahren und Mühen gescheut und mich ein mutig-verwegenes Forschungsteam zum Zwecke der Erkundung der rheinisch-ländlichen Brauchtumspflege insbesondere aber zur empirischen Felduntersuchung der diesjährigen Kostümierung in einen Stadtteil Bonns entsandt, der seit geraumer Zeit und nicht unerheblich unter dem Namen „Schweinheim“ zu leiden hat.

Offensichtlich um aufbrandende Komplexe ob des schmählichen Namens zu kompensieren wird dort alljährlich mit nicht unerheblichem Aufwand ein „sehr liebevoll und anziehend gestalteter“ Karnevalszug im vom „regen Dorfleben“ umrauschten Dorf durchgeführt [Wikipedia].

Eine kuriose, aber weitgehend totgeschwiegene Besonderheit des Schweinheimer Karnevalszugs ist es, das der Zug nachdem er die rund ein Kilometer lange Zugstrecke absolviert hat, wendet und diese nach kurzer Pause nochmals in umgekehrter Reihenfolge abschreitet. Dies hat für Ältere, Angetrunkene oder auch Forschende, die alle anderen Attribute in sich vereinen, ganz erhebliche Vorteile. So können erste Eindrücke nochmals vertieft, offenen Fragen zu einzelnen Kostümen keine zehn Minuten später widerholt nachgegangen oder die ‚Halbzeitpause’ zur Hypothesenbildung genutzt werden. Warum dieses Brauchtum der doppelten Zugstrecke so hartnäckig verschwiegen wird, hat einen ganz offensichtlich Grund: Immis und Zuschauer, die mit dem lokalen karnevalistischen Treiben nicht vertraut sind, geben ihre in den frühen Morgenstunden hart erkämpften Positionen fahrlässig auf, begeben sich zum Pittermännchen und der einheimische Jeck hat nicht nur die freie Sicht sondern natürlich auch die Kamelle, Strüßjer und Bützje.

-sch_0130Was aber, sind nun die Bekleidungstrends der aktuellen Session? Erwartungsgemäß lagen die Depp-Piraten heuer deutlich vor den Clowns. Ein interessantes Detail, weil erstmals zu beobachten, war das Auftreten von so genannten „Pipi-Langstrumpf-Piraten“: Rotzopfige, Buntgeringelte mit Schwert und Augenklappe Versehene, die zwar nur noch sehr entfernt an Herrn Depp erinnerten jedoch den „Fluch von Schweinheim“ aufs plastischste herausarbeiteten. Gegen alle Kostümprognosen überraschend wenig anzutreffen war der schwarzrotgoldbekleidete Fanmeilenpublicviewer. Mutmaßlich kam es hier kurzfristig zu einer Bekleidungswanderung. Aber auch Handballer, Radler oder gar Rodler waren kaum repräsentiert. Wenig überraschend dagegen, dass die Scheich-Fraktion erdrutschartige Verluste hinnehmen musste. Am Ende ist es eine weitere Folge der globalen Erderwärmung, dass keine einzige skandinavische Fahne brannte. In die Gruppe der „Sonstigen“ fallen nun auch die dramatisch rückläufigen Feuerwehrmänner und libyschen Kinderkrankenschwestern. Den massiv anzutreffenden Kunstmalern sollte bundesweit weniger Gewicht beigemessen werden, wurden doch alle Schüler der Paul-Klee-Schule per Karnevalszwangsentscheid gezwungen mit farbenverschmierten Kitteln, Palette und Pinseln im ängstlichen Kinderhaar den Zug zu begleiten. Eine weitere, menschenverachtende Schweinheimer Tat, die die zahlreich anwesenden internationalen Kostümbeobachter mit Sorge erfüllte.

Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass Piraten und Clowns in einer großen Koalition weitgehend unbehelligt regieren können. Die seit Jahren notwendige Reform des Kamelle-Wesens könnte endlich mit großer Mehrheit entschieden angegangen werden. Bei der schwelenden Bützje-Frage muss sicherlich auf Pokerspieler, Mexikaner, Biene Maja und Indianer Rücksicht genommen werden, aber auch hier sollten in dieser Session Vorschritte erzielt werden können.

Weitere Detail-Ergebnisse der Untersuchung werden in Kürze unter einer sehr kostenpflichtigen Hotline abrufbar sein. Wie aus gewöhnlich gut unterrichteter Quelle verlautbart wurde, soll Dr. B. Uster kein Verständnis für die Kritik an der Gebührenpflicht haben. Schließlich gehe es hier, so der Doktor, um exklusive und sehr aufwändige Forschungsergebnisse (allein der Bierkonsum des einköpfigen Forschungsteams sei immens gewesen, wusste der ermattete teilnehmende Beobachter zu berichten). Und wer sich mit solchen schweinischen Themen auseinandersetze, hätte „eh schweinisch schwer einen an der Schweine-Waffel“ so der berühmte Schweine Brauchtumsfeldforscher. Bei Chez Buster hat für solch maßvolles und engagiertes Vorgehen schweinisches größtes Verständnis und gibt zurück an die angeschlossen Dunghäuser.

Montag, 22. Januar 2007

Nachtragen muss ich noch ...



[Buster: Rheinproffe 3, 2007]

Das Gärtlein still vom Busch umhegt,
Das jeden Monat Rosen trägt,
Das gern den Gärtner in sich schließt,
Der es betaut, der es begießt,
Es lebe hoch!

[C. M. Wieland: Das Gärtlein. Gedichte]

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VierlagigeRastung - 25. Jul, 01:46
Genau barock!
Ich habe aber auch so was von gebildete Leser hier!...
BusterG - 24. Jul, 16:14
Großartiger Pluralis...
Großartiger Pluralis Majestatis, passt zur barocken...
weltverbesserung - 24. Jul, 14:31
Oh ja!
Wir Bei Chez Buster geben ALLES für die vieltausendköpfige...
BusterG - 24. Jul, 09:56
Das nenne ich mal Ausdauer!
Das nenne ich mal Ausdauer!
huflaikhan - 23. Jul, 13:19

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