somnambul

Dienstag, 22. Juli 2008

Komm mach mal Licht

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„Komm mach mal Licht
damit wir sehen können
ob was da is.“
[Kurt Weil]

Samstag, 5. Juli 2008

Long Day's Journey Into Night (Balkon I)

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„Ich höre ja auf mit dem Saufen. Aber nicht heute Abend.“
[Eugene O’Neill: Eines langen Tages Reise in die Nacht, 1956]

Mittwoch, 25. Juni 2008

Sind wir bereit?

Zweinhalb Millionen mehr als fragwürdig integrierte Türken leben mitten unter uns, fanatisch rote Fahnen mit dem Halbmond schwenkend. Wie kann das angehen heute mit der Völkerverständigung? Wir sind Exportweltmeister, Fußballweltmeister der Herzen, stellen die schnelle Eingreiftruppe am Hindukusch und sind sogar Papst, aber sind wir wirklich bereit in zwei Spielen Europameister zu werden?

Grade mal vier von zehn Befragten gaben gegenüber Bei Chez Buster an die Tage an einem ausgedehnten und regulären Autokorso teilgenommen zu haben: Lediglich 25 Prozent können ohne Probleme einen Sixpack an der Tanke um die Ecke einsacken und über 40 Prozent aller Fahrzeuge in meiner Wohngegend sind nicht ausreichend beflaggt. Von der Nationalhymne kennen viele eingefleischte Fans grade mal die erste Strophe auswendig.

Frage nicht, deutsche Schwermut, was Deine Mannschaft für Dich tun kann, frage Dich was Du für die getreuen Ballack, Lehmann und Löw tun kannst! Wird es reichen sich in den nächsten Stunden Nußnougatcreme eimerweise oder Kisten von Eifeler Pils einzuverleiben? Hilft uns Volksgemeinschaft am Ende gar schneller Sex, jetzt wo die Partnerinnen der Fußballhelden ausgesperrt sind?

Fragen über Fragen, eine Antwort weiß nicht einmal Günter Netzer …

Donnerstag, 19. Juni 2008

Die Fahne

Müder Nachtregen trommelt einfältig seit Stunden ans geduldige Erkerfenster. Die mottenumschwirrte Lampe über dem roten Ledersessel gibt dazu den allzeit sternlosen Lesehimmel als plötzlich, zunächst entfernt und sehr regenverschwommen, ein Lichtschwert an der Hausmauer des Nachbarn auflodert, getragen von einer kapuzenbewerten gekrümmten Kreatur die sich entschlossen und mit schnellem Schritt dem Auto des Nachbarn nähert.

Unverständlich im düster aufbrausenden Regen wehen barsche Töne offensichtlichen Missfallens durch die mitternächtlichen Häuserschluchten, der kaltblaue Lichtkegel, eine Taschenlampe, stößt verbissen in so wolkenverhangene wie ungnädige Himmel. Angelangt am hochmotorisierten Fortbewegungsmittel vor der Garage wird die Leuchte recht burschikos auf dem kinnhohen, regenglatten Dach abgelegt und die Kapuze greift, nunmehr frontal beleuchet, an eine weißen Plastikstange die an der Seite aus dem geschlossenen Fenster aufragt. Am oberen Ende der weißen Stange an der zwischenzeitlich ungeduldig gerüttelt wird, findet sich ein schwarzrotgoldenes Stoffstück kraftlos hängend, regendurchtränkt.

„Geh ab du Scheißdreck“, eine gepresste Tenorstimme ist nun deutlich zu hören von der halbdunklen Gestalt die zunehmend unruhig das Gewicht von einem auf das andere Standbein verlagert, und dabei an das Lauern der Sumoringer erinnert kurz vor dem Angriff. Dabei rutscht die schon nasse Kapuze nach hinten weg, der Regen hebt weiter an, ganz ungerührt. Es ist der Nachbar. Er rüttelt ungeduldiger an seinem silberfarbenen Mercedes, ganz so als gelte es diesen zur kopflosen Flucht vorzubereiten. Der weiße Stab biegt sich unter lauterstarker stimmlicher Untermalung des zunehmend ungeduldig werdenden - aber bricht nicht.

„Du Scheißvieh“ stöhnt es kehlig von unten und jetzt greift er einer wirren Eingebung folgend nach dem Stoff am Fahnenende und zieht ganz verzweifelt daran bis ein hässliches Reißen von ersten Erfolgen des nächtlichen Kämpfers kündet. Ein nur schwach unterdrückter Jubelschrei ist deutlich zu hören, ein Fetzen regennasser Stoff siegessicher wie einen mächtigen Pokal hochreckend. Ich habe mir vorausschauend zwischenzeitlich auf dem Balkon eine ebenso trockene wie bequeme Loge gesichert.

Taumelnd und vom Erfolg des halbgerissenen triefenden Stofftuchs angefeuert stürzt sich der Nachbar, der ganz offensichtlich in einen dunkelblauen Bademantel eines bekannten deutschen Sportausrüsters gekleidet ist, erneut auf die zum dunkeln Himmel aufragende Standarte an der nur noch ein Stofffetzen flackert und versucht diese mit ganzem Körpereinsatz abzubrechen. Das spröde gewordene Plastik beginnt dabei unvermutet zu splittern und bohrt sich tief in den rechten Daumenballen des ziellos Wütenden.

Blut mischt sich mit klebrigen Blütenstaub den der Regen noch nicht abgewaschen hat, ein wildes Aufheulen durchzuckt die regengepeitschte Nacht; „du Sau, ich mach dich kalt“ klingt es fast weinerlich verzweifelt und ich muss mich schon sehr nach vorne recken um den am Boden kauernden Verletzten hinreichend sehen zu können. In einer ungestümen, der aufkeimenden Verzweiflung geschuldeten, weiteren Angriffswelle umklammert er fest entschlossen mit beiden Händen die halbgesplitterte blutverschmierte Stange, gleitet unvermittelt ab und diese peitscht mit Wucht über seine rechte Wange.

Selbst ich empfinde zunehmend Unbehagen meinen - zugegeben sehr ungeliebten - Nachbarn in solch unsinniger Rasereien verenden zu sehen und denke erstmals über einen spektakulären Rettungsversuch nach als ein ungeduldig harter Windstoß mich aufschrecken lässt, ich wache gedankenverloren auf während das Buch vom schläfrigen Knie gleitet. Aus nachtmüden Augen sehe ich giftig-laut hupende Konvois am Erkerfenster schwarzrotgolden vorbeiziehen, das Auto des Nachbarn beidseitig in unruhigen Böen trotzig regennass flatternde Fahnen – was tun?

Freitag, 30. Mai 2008

sicherheitshalber

Tage wie dieser
Die haben doch nur geübt
für die Datenhaltung
mauschelt es
hinter vorgehaltenen Schaumweingläsern
in der "Bonner Republik"
Verdunkelung ist in aller Munde,
golfballgroß waren sie
und die Lichter gingen an
(und aus) am Tage,
die Bonner Staatsanwalt
schläfrig
aus dem Winterschlaf erwacht
durchlidlt die T
Kommschon ist
Weltuntergangsstimung
heute
treibt die Menschen
an die leeren Milchregale.
Wir stehen am Anfang vom Ende
der Krise
beschwört „Victory“ Ackermann.
An Tage wie diesem
haben sie Jeanne d’Arc verbrannt,
Notstandgesetze verabschiedet
Tage wie dieser
Milch will ich noch kaufen,
sicherheitshalber.

Montag, 4. Februar 2008

Gib mir Tiernamen

Zum Höhepunkt der Session werden heute Äffchen, Bär, Biene, Eule, Faultier, Hase, Lämmlein, Mietzi, Mops, Pony, Schnecki und Seestern ordentlich aufgeschreckt durch eine Nachricht der wackeren Germanisten aus Augsburg: Das Volk der Dichter und Denker geht vor die Hunde gibt sich lecker Tiernamen wenn es etwas intimer zugeht.

Dr. Jan-Claas – Moppelpoppel – Freienstein, der Leiter des Forschungsprojekts (hier eine sehr karnevaleske Aufnahme des närrischen Treibens in Augsburg), will jedoch herausgefunden haben, dass die Verwendung von Kosenamen abnimmt, je „öffentlicher die Kommunikationssituation ist“: Keine 6% der Befragten verwenden den Kosename etwa im Arbeitsleben. Und in der Tat: viel zu selten hören wir wie ein Streifenpolizist zum anderen raunt: „Tigerchen bald ist die Schicht vorbei“, die protokollierende Verwaltungsangestellte den Amtsrichter in der Hauptverhandlung bittet „Lockenwürmchen sprich klar und deutlich“ oder der Kardinal den Ministranten nach der Messe auffordert „Pupserl hilf mir mal eben im Hinterzimmer, ich zeig dir auch was ganz entartetes“.

Zugegeben - es kann nicht jeder an der „Ästhetik der Erinnerung“ des Peter – Schnucki – Härtling teilhaben; auch weil die Dozentin PD Dr. Sandra – Schnuffel – Schwarz maximal 24 Teilnehmer/-innen haben will, der Rest nennst sich folglich Schatz, Schatzerl, Schatzi, Schatzilein, Schätzchen, Schätzelchen, Schätzle, mein Schatz, Riesenschatz, Schnuckelschatz oder dergleichen.

Andererseits ist es wirklich nicht ganz leicht mitten unter Menschen zu leben, die sich „Taf Taf“ (die Kurzform für ‚Tollste aller Frauen‘), „Big“ (‚Sex and the City‘) oder gar „Bibbi“ (nach einer Bettwäsche des Möbelkonzerns Ikea) nennen. Und das auch noch übermorgen.

Donnerstag, 29. November 2007

Connolly Station

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[Connolly Station, Dublin. Buster 2007]

Samstag, 24. November 2007

Eine gute Banalität

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[Temple Street, Dublin 2007}

„Nichts hat im modernen Leben eine solche Wirkung wie eine gute Banalität.“ [Oscar Wilde: Ein idealer Gatte]

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Hinter gefallenen Blättern

Sternloser Himmel
Hinter gefallenen Blättern
Kein Nachtfrost lange

Freitag, 27. Juli 2007

Dänen lügen nie

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[Somnambul unterm Öresund, 2007]

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das sieht aber gut aus,...
das sieht aber gut aus, der große schlaf!
VierlagigeRastung - 25. Jul, 01:46
Genau barock!
Ich habe aber auch so was von gebildete Leser hier!...
BusterG - 24. Jul, 16:14
Großartiger Pluralis...
Großartiger Pluralis Majestatis, passt zur barocken...
weltverbesserung - 24. Jul, 14:31
Oh ja!
Wir Bei Chez Buster geben ALLES für die vieltausendköpfige...
BusterG - 24. Jul, 09:56
Das nenne ich mal Ausdauer!
Das nenne ich mal Ausdauer!
huflaikhan - 23. Jul, 13:19

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